Bürgerhilfeverein „Wir für uns“ aus Bromskirchen verschenkt Zeit, Interesse und Verständnis
Bürgerhilfe e.V.

Ein bisschen Normalität am Heiligen Abend

 

  BROMSKIRCHEN / FRANKENBERG (apa). „An Heiligabend ist es am allerschwersten“, sagt Elke Diehl-Petersen. Heiligabend ist der Tag im Jahr, an dem die engste Familie im Mittelpunkt steht, die Menschen, die einem am meisten bedeuten. Doch bei Elke Diehl-Petersen und ihrer Tochter Tamara fehlt jemand: der Ehemann und Vater, der vor vier Jahren gestorben ist. Ein paar Stunden dieses schwersten Tages im Jahr überbrücken die Frankenbergerin und ihre zehnjährige Tochter bei einer besonderen Weihnachtsfeier. Der Bromskirchener Bürgerhilfeverein „Wir für uns“ und die Hospizinitiative aus den Nachbarstädten Hallenberg und Winterberg, die auch in Waldeck-Frankenberg tätig ist, haben zu einem weihnachtlichen Nachmittag und Abend eingeladen – zu einem Zeitpunkt, wenn eigentlich jeder mit seiner eigenen Familie beschäftigt ist.
Wie kam der Verein auf die Idee, an Heiligabend Einsame einzuladen? „Wir wollen einfach nicht, dass jemand denkt: Für mich gibt es niemanden“, sagt Burkhard Zeunert nachdenklich. Der Bromskirchener ist im Vorstand des Bürgerhilfevereins, der die Weihnachtsfeier zum zweiten Mal veranstaltet. Mehr als 40 Menschen hatten sich im Vorfeld angemeldet, etwa 35 sind auch gekommen – fast doppelt so viele wie bei der Premiere im vergangenen Jahr. Wenn es auch organisatorisch Umstände macht, weil Fahrpläne und Essensportionen nicht mehr stimmen: „Dass es Abmeldungen gibt, ist nicht so schlimm“, sagt Zeunert und lächelt. „Schließlich bedeutet das, dass die Menschen nicht allein sind und sie doch noch jemand zu sich eingeladen hat.“
Die Feier ist bewusst auf den Heiligen Abend gelegt. Denn die beiden Feiertage sind die klassischen Besuchstage, da sind die wenigsten den ganzen Tag allein. Doch an Heiligabend liegt die Konzentration eben auf der engsten Familie. Deshalb ist Elke Diehl-Petersen auch so dankbar für die Feier – sie überbrückt ein paar der schwersten Stunden des Jahres, sagt sie. „Das ist eine tolle Gemeinschaft hier“, sagt sie mit Blick auf die anderen Besucher. Junge und alte Menschen, Singles, Alleinerziehende, Witwen und Witwer haben den Weg nach Hallenberg gefunden, wo die Feier im „Kump“ stattfindet. Menschen aus Frankenberg und Bromskirchen, aber auch aus Hallenberg, Winterberg und Medebach, sogar aus dem Bad Berleburger Raum sind der Einladung gefolgt. Jeder von ihnen weiß, wie schwer es ist, an Weihnachten allein zu sein. Das spürt Elke Diehl-Petersen. „Hier kann ich darüber reden. Ich muss es aber nicht.“ Schon am Nachmittag sind die ersten Gäste eingetroffen, teils selbstständig, teils mit dem Fahrdienst, den die Vereine eingerichtet hatten. Ein Team von zehn Helfern hat die Feier organisiert, auch die Jugendhilfe aus dem Hallenberger Stadtteil Hesborn beteiligt sich: Junge Leute laufen mit Kaffeekannen oder Instrumenten herum.
Die oft spröde Atmosphäre, die bei der Feier einer solch großen Gruppe entsteht, haben die Veranstalter geschickt vermieden: mit einem traditionell geschmückten Christbaum, einer riesigen Krippe und Gruppentischen. Die Weihnachtsgeschichte, Gedichte und ein Film sorgen ebenso für weihnachtliche Stimmung wie das Rahmenprogramm: Helga Schütt und Sigrun Machemar musizieren ebenso wie die Kinder, die ihr Können an Gitarren und Klarinetten beweisen. Auch Tamara Diehl trägt an diesem Heiligen Abend zum Programm bei und spielt Akkordeon. Weihnachtslieder klingen durch die Räume, viele Besucher fallen ein und singen mit.
Das, was für die meisten an Heiligabend nicht wegzudenken ist, ist für alleinstehende Menschen an diesem Tag nicht selbstverständlich: ein gemeinsames Essen und das Auspacken von Geschenken. Die Bürgerhilfe und die Hospizinitiative haben auch dafür gesorgt. Unter anderem findet sich in der Geschenktüte, die jeder erhält, ein Lesezeichen mit Kreuz. „Jemand hat 30 Stück davon gehäkelt“, erzählt Burkhard Zeunert. „Einen ganzen Monat lang hat sie Zeit und Arbeit investiert“ – namentlich genannt werden wollte die Frau aber nicht.
Die wenigsten Helfer kommen an diesem Tag pünktlich zum Weihnachtsessen mit der Familie nach Hause. Bis 20 Uhr dauert die Feier, danach müssen viele Gäste wieder zurückgebracht werden. Doch an diesem Heiligen Abend geht es um die, die allein sind. „Weihnachten ist das Fest der Liebe. Aber Liebe besteht nicht nur aus Worten“, sagt Burkhard Zeunert, „sondern auch aus Taten.“

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