Bewältigung des demographischen Wandels in einer komplexen Gemengelage

(von Burhard Zeunert, März 2012)

 

Nur durch eine nüchterne Analyse dessen, was ist und wie es geworden ist, wird es möglich werden, die angemessenen „Lösungen“ zu wagen, die erforderlich sind, um die „Segnungen“ der zurückliegenden Entwicklungen zu würdigen und die „Verrücktheiten“ abzustellen. Der demographische Wandel findet schon seit Jahrzehnten statt, wurde aber aus der öffentlichen Diskussion bewusst ausgeblendet, weil wir dann nämlich hätten  innehalten müssen, um Wertvorstellungen und gesellschaftliche Organisationsstrukturen grundlegend zu überprüfen, zudem war und ist die Lobby der derzeitigen Gewinner zu einflussreich. Zunächst gilt es einmal festzustellen, dass es ein bisher einmaliges Geschenk in der Evolution ist, dass die Mehrzahl der Menschen bei  relativer Gesundheit älter wird und nach ihrem erwerbswirtschaft- lichen Leben noch eine 30-jährige Lebensspanne zur Gestaltung vor sich hat.
Die gegenwärtige Generation der über 60-Jährigen verfügt über die drei wertvollsten Ressourcen unserer Gesellschaft: Zeit, Lebenserfahrungen und Vermögen. Daraus ergibt sich auch ihre besondere Verantwortung zur Lösung der  gegenwärtigen Probleme: Wir müssen die Verteilung von Aufgaben und Arbeit in unser Gesellschaft in einem veränderten Generationenvertag neu regeln.
Es kann nicht sein, dass die „mittlere“ Generation durch zunehmenden Stress bei der Produktion sinnlosen Massenkonsums verschlissen wird ( Burn-out ) und so weder die beiden anderen Generationen tragen, noch selbst „gesund“ in den Genuss ihres eigenen Alters gelangen kann. Nach mehreren Rationalisierungen geht unserer Industriegesellschaft die sinnvolle Arbeit aus, zudem sind wir  an die Grenzen weiteren materiellen Wachstums gestoßen.

Als älterer Mensch, der den materiellen Zusammenbruch eines Menschen verachtenden Regimes und einer Reihe „industrieller Revolutionen“ bis hin zur „Globalisierung“ und „Informationsgesellschaft“ miterlebt hat, kann ich Erkenntnisse aus dem Erlebten für die Gestaltung von persönlichem und gesellschaftlichem Leben ziehen. Diese Entwicklungen fielen nicht vom Himmel, sondern sind Folgen menschlicher Entscheidungen über „Werte“ und Organisationsstrukturen im Kleinen wie im Großen. Jede große Krise verstellt uns Menschen das naive „weiter so!“ und birgt somit auch Chancen auf positive Veränderungen. Sie offenbart ihre „Verrücktheiten“ und birgt so Chancen zu Neuanfängen, zukunftsweisenden „Lösungen“ und erforderlichen Paradigmenwechseln, die nicht durch das Festhalten alter Machteliten an ihren egoistischen Interessen verhindert werden dürfen; sonst kommt es nicht zur „not -wendigen“ Korrektur gescheiterter  „Wertvorstellungen“.
Wenn die „Würde des Lebens und seiner Grundlagen“ nicht geachtet wird, weil der maximale Profit  der Maßstab unserer  Industrialisierung ist, die nicht die Absicht hat, „nachhaltige Güter“ zu produzieren, sondern  bewusst „Verschleiß“  in ihre Produkte zur Gewinnmaximierung einbaut, dann ist ein solcher Auswuchs von Egoismus gesellschaftlich  nicht mehr tragbar, denn er verbraucht die begrenzten Ressourcen dieser Erde und verschleißt das Leben ihrer Arbeiter für die Herstellung von „schön verpacktem Müll“ und führt zugleich zu kriegerischer Konkurrenz.
Wir sind auf dem „Raumschiff Erde“ im Kosmos gemeinsam unterwegs! Es gibt keine Ersatzerde, auf die wir nach dem Verbrauch der ersten umsteigen könnten. Wir sind eine  Menschheit in einem geschlossenen Ökosystem, in dem wir uns sachgerecht und sozial verhalten müssen, wenn wir überleben wollen! 
Der Weg der Problemlösung wird darin bestehen, dass jeder einzelne sich je von Situation zu Situation von krankmachenden und zerstörerischen Verhaltensweisen zu „lösen“ beginnt und an Werten des Lebens orientiert. Diese Entscheidung zu einem nachhaltigen Verhalten kann von jedem einzelnen augenblicklich geschehen und so den notwendigen gesellschaftlichen Prozess ermöglichen und in Gang setzen. Ziel und Weg müssen miteinander übereinstimmen: Der Weg ist das Ziel!
Nur durch eine derartige geistige Neuorientierung wird der demographische Wandel im reichen Norden und  dann weltweit zeitverschoben gelingen. Die derzeitige Generation über 60 trägt in dreifacher Hinsicht Verantwortung für das Gelingen des Demographischen Wandels:

  1. Sie ist mitverantwortlich für die Entstehung und Verschärfung der gegenwärtigen Probleme.
  2. Gleichzeitig hat sie positive Erfahrungen mit der Gestaltung politischer Veränderungen.
  3. Sie hat einmalig die ökonomischen Ressourcen, um sich voll engagiert für die Gestaltung des Demographischen Wandels und menschenwürdiger Gesellschaftsstrukturen einzusetzen und sowohl das eigene Schicksal  mit der Schaffung einer modellhaften Alterskultur als auch einen neuen Generationsvertrag zu gestalten.

Indem sie ihre Lebenszeit in das Leben der beiden anderen Generationen einbringt, erfährt sie gleichzeitig eigenen Lebenssinn und Wertschätzung, einen nicht durch Geld erreichbaren sozialen Status.  Sie kann sich um der Zukunft ihrer Enkel willen in den derzeit staatlich nicht finanzierbaren Bereichen von Bildung engagieren, ebenso im Bereich der Schaffung neuer lokaler, regionaler genossenschaftlicher Infrastrukturprojekte. Hierdurch könnte der notwendige, gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbau höchst effizient eingeleitet werden.
Unsere Produktionsweisen müssen ein neues intelligentes und nachhaltiges Design erhalten und der Handel auf Produktleasing umgestellt  (Rohstoffrückgewinnung) und regionalisiert werden. Die sinnentleerte Massenproduktion würde auf eine nachhaltige Bedarfsgüterproduktion umgestellt und dadurch um fast die Hälfte reduziert. Die  so ermöglichte Verkürzung der erwerbswirtschaftlichen Arbeitszeit brächte zwar weniger Lohn, aber mehr Rückgabe von Lebenszeit ein. Eine Umstellung auf flexible Jahresarbeitszeitkonten käme der mittleren Generation und somit auch dem Heranwachsen der Kinder zugute. Kinder könnten so unter entspannteren Rahmenbedingungen aufwachsen, ihr eigenes Leben als höchsten Wert im Zusammenleben mit Mensch und Natur erfahren und so zu einsatzbereiten, starken Persönlichkeiten heranreifen.
Der Prozess der Entvölkerung des ländlichen Raums könnte durch eine neue Wertschätzung von Lebensqualität gestoppt und umgekehrt werden hin zu einer gesunden Ernährungsbasis, weg von ungesundere Massentierhaltung und  Billigprodukten, hin zu einem heilenden Lebensraum! Die derzeit fast unbezahlbaren sozialen Dienstleistungen würden durch einen Profi-Bürgermix  wieder für alle Gesellschaftschichten und Generationen möglich und zugänglich, das Prinzip der Partizipation als Grundpfeiler der Demokratie durch solidarische und genossenschaftliche Strukturen wieder gestärkt. Bürgerinitiativen und Bürgerhilfen ( Tausch von Lebenszeit gegen Lebenszeit ) sind ein gutes Einübungsfeld für den notwendigen Paradigmenwechsel. Der zugrundeliegende Bewusstseinswandel vom Haben zum Sein eröffnet der einen Menschheit das Überleben auf dem Raumschiff Erde und den Eintritt in eine neue ganzheitliche, spirituelle Evolutionsphase ohne kulturellen Kollaps.
Burkhard Zeunert,  März 2012                                                          Rückmeldungen an  bzeunert@web.de


 

 

 

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